GGV-Emblem Glatzer Rose

Glatzer Gebirgs-Verein
(GGV) Braunschweig e.V.

seit 75 Jahren in Braunschweig

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Kalenderblatt vom 9. August 1951

Nach der Vertreibung aus Schlesien schon 1951 wiedergegründet:

75 Jahre „Glatzer Gebirgs-Verein“ in Braunschweig

Am 9. August 1951 um 20.30 Uhr trafen sich im „Gliesmaroder Turm“ (siehe Abb. 1) in Braunschweig zehn heimattreue Mitglieder (siehe Abb. 2) des 1881 in der niederschlesischen Kreisstadt Glatz gegründeten Glatzer Gebirgs-Vereins und gründeten den „Glatzer Gebirgs-Verein (GGV) Ortsgruppe Braunschweig“. Gegen 23 Uhr wurde die Versammlung dann geschlossen.

Gliesmaroder Turm in Braunschweig (Foto: Axel Hindemith, CC-by-sa-3.0 de)
Abb. 1: Gliesmaroder Turm in Braunschweig
(Foto: Axel Hindemith, CC-by-sa-3.0 de)

Gründungsmitglieder des GGV in Braunschweig (Fotos: GGV-Vereinsarchiv)
Abb. 2: Gründungsmitglieder des GGV in Braunschweig 1951
(Fotos: GGV-Vereinsarchiv)

Obere Reihe: Alfred Bittner, Clemens Blümel, Maria Blümel, Paul Leister, Hubert Müller.
Untere Reihe: Margarethe Elsner, Charlotte Renschin, Gerhard Sonnabend, Georg Wache, Theophil Wolf.

Es wurde eine Niederschrift über die Gründung einer Ortsgruppe des Glatzer Gebirgsvereins in Braunschweig am 9. August 1951 angefetigt.

Die GGV-Mitglieder waren 1946 aus der Grafschaft Glatz (Schlesien) vertrieben worden. Viele von ihnen kamen dabei nach Braunschweig und Umgebung. Hier fanden Sie eine Arbeit und wurden allmählich sesshaft.
Die Ziele des GGV änderten sich zunächst dahin, insbesondere der Jugend die Liebe zur Glatzer Heimat und Mundart am Leben zu erhalten, zumal man bis Anfang der 1960er Jahre glaubte, in die Heimat zurückzukehren. Nachdem sich diese Hoffnung änderte, wurde es zum Vereinszweck, den Menschen die Freunde am Wandern in Gottes freier Natur näher zu bringen sowie die Mundart und Heimatkunde zu pflegen.

Als Vereins(ab)zeichen wurde schon 1881 vom Zentralvorstand die Trollblume gewählt, die als „Glatzer Rose“ und Symbol der Grafschaft Glatz bekannt ist. Diese Glatzer Rose wurde auch 1951 zum Abzeichen des wiedergegründeten GGV bestimmt und wird noch heute als Vereinsabzeichen verwendet.
Die Streichung des Wortes „Ortsgruppe“ im Vereinsnamen erfolgte 1965. Die erstmalige Eintragung in das Vereinsregister wurde 1967 vorgenommen. Im Dezember 1995 erfolgte die Übernahme des am 1. November 1949 wiedergegründeten „GGV Berlin“, der sich am 28. Januar 1995 aufgelöst hatte.

Beim 66. Deutschen Wandertag im September 1965 in Krefeld erklärte der GGV seinen Wiedereintritt in den „Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V.“ (kurz: Deutscher Wanderverband), nachdem er dem damaligen „Verband Deutscher Touristen-Vereine“ bereits seit Mitte der 1880er Jahre bis 1945 angehörte. Seitdem nimmt der GGV bis heute an den Deutschen Wandertagen teil. Zunächst wurde vom Vorstand nur eine Delegation entsandt, später nahmen große Wandergruppen mit Busreisen an den Deutschen Wandertagen teil.
Die „Eichendorff-Plakette“ wurde dem GGV am 2. Februar 1984 für die Verdienste um Wandern, Heimat und Umwelt vom damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens verliehen, die er 1983 anläßlich des 100-jährigen Jubiläums des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine gestiftet hatte.
Der Beitritt zum heutigen „Landesverband Niedersachsen Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V.“ erfolgte 1967 als Gründungsmitglied der damaligen „Norddeutsche Arbeitsgemeinschaft Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V.“, die sich 1980 als neuer Landeswanderverband eine erste Satzung gab, um am 29. Mai 1981 die Anerkennung als „anerkannter Naturschutzverband“ zu erlangen. Der GGV ist damit der älteste dem Landesverband angeschlossene Verein und nimmt Aufgaben im Naturschutz wahr.

Im Juni 1970 wurde eine Patenschaft durch den „Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) – Abteilung Lüdenscheid e.V.“ für den GGV übernommen, weil viele Grafschafter Landsleute nach der Vertreibung ins Sauerland kamen und der dortige SGV im Deutschen Wanderverband aktiv war. Diese Verbindung zum SGV Lüdenscheid brach 2010 leider ab.
Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze übernahm der GGV in Braunschweigs Partnerstadt Magdeburg schon am 10. Februar 1990 eine Patenschaft für die „Wanderbewegung Magdeburg e.V.“, die durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Wanderungen bis heute gepflegt wird.
Seit September 1995 bestand die Gebietsgruppe „West/Nordwest“ des GGV, die für den Raum „westlich der Weser“ zuständig war und durch einen Gruppenwart betreut wurde, der zum erweiterten Vorstand im Hauptverein gehörte. Ende Dezember 2007 löste sich die Gebietsgruppe aus Altersgründen des Gruppenwarts auf.

Die erste Heimatstube des GGV wurde am 30. Mai 1987 in der Kreuzstraße 31 in Braunschweig eröffnet. Nach dem Umzug in die Kreuzstraße 42 konnte am 20. Oktober 2012 ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert werden. Es ist die einzige Sammlung der Heimatvertriebenen in Braunschweig.

Ab 1961 feierte man alle zehn Jahre die Gründungsjubiläen des GGV. Das 100. Gründungsjubiläum und die 30-jährige Wiedergründung wurde 1981 in Verbindung mit der Feier „1.000 Jahre Glatz (981-1981)“ gefeiert. Im Altstadtrathaus Braunschweig war eine große Ausstellung über die Grafschaft Glatz zu sehen. Zum 120. Bestehen des GGV wurde im Mai 2001 in der St. Aegidien-Kirche in Braunschweig die umfangreiche Ausstellung „Hundert Wandertage in Bildern“ des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. gezeigt.
Sein 125. Gründungsjubiläums feierte der GGV am 13. Mai 2006 in Braunschweig mit einer großen Feierstunde und einem Pontifikalamt mit Nuntius Erzbischof Dr. Ender in der St. Aegidien-Kirche in Braunschweig sowie am 20. Mai 2006 mit einem großen Festgottesdienst in der Dekanatskirche Glatz und Einweihung einer zweisprachigen Gedenktafel (siehe Abb. 2) am Gründungsort des Vereins am Ring in Glatz (poln. Kłodzko).

Gedenktafel des GGV in Glatz
Abb. 3: Gedenktafel des GGV an dessen Gründungsort in Glatz
(Foto: Jacek Halicki, CC-by-sa-4.0)

Das 60-jährige Bestehen in Braunschweig wurde am 7. Mai 2011 mit einer Feierstunde in der Stadthalle Braunschweig und einem Festgottesdienst im Liebfrauenmünster „St. Aegidien“ zu Braunschweig gefeiert.

Das Vorbild für den GGV war die Gründung des Riesengebirgsvereins (RGV) am 1. August 1880 im schlesischen Hirschberg. Schon am 11. Oktober des Jahres begann man mit den Vorbereitungen und gründete schließlich am 2. März 1881 mit 85 Heimatfreunden den „Gebirgs-Verein der Grafschaft Glatz“, der 1888 in „Glatzer Gebirgs-Verein (G.G.V.)“ umbenannt wurde.
Am 27. Januar 2024 wurde der Riesengebirgsverein aufgelöst. Viele Mitglieder der unselbständigen RGV-Ortsgruppe in Braunschweig schlossen sich dem Glatzer Gebirgs-Verein an und bilden seit April 2024 die neue „Riesengebirgsgruppe“ (RGG). Der Zusammenschluss wurde durch die Personalunion des Vorsitzenden beider Vereine seit 2018 gefördert.

Die Vereinszeitschrift „GGV-Mitteilungen“ ist seit 1951 aus den Rundschreiben und Mitteilungsblättern des GGV gewachsen und erscheint zwei bis drei Mal im Jahr. Durch die Mitgliedschaft im Deutschen Wanderverband (DWV) können die GGV-Mitglieder verschiedene Vorteile nutzen und jährlich das Deutsche Wanderabzeichen erlangen, das dem Deutschen Sportabzeichen gleichgestellt ist.

Die Mitgliederzahl erreichte zur Jahrtausendwende ihren Höhepunkt seit der Neugründung 1951 mit über 1.000 Mitgliedern. Leider ist diese seither rückläufig und altersbedingt auf rund ein Viertel gesunken, weil die Nachkommen der Mitglieder und Heimatvertriebenen nur wenig Interesse am Verein haben. Trotzdem sind jährlich einige Neumitglieder zu verzeichnen, die am Vereinsleben teilhaben oder auch nur die Vereinszeitschrift beziehen und damit den Verein unterstützen wollen.
Der erste nachgeborene Vorsitzende ist seit 2004 Christian Drescher. Er engagiert sich seit 2012 als Vorstandsmitglied im Landeswanderverband Niedersachsen. Beim 117. Deutschen Wandertag in Eisenach 2017 wurde er als Medienwart in den Hauptvorstand des Deutschen Wanderverbandes gewählt und vertritt damit auch die kleineren norddeutschen oder aus den Ostgebieten stammenden Wandervereine auf Bundesebene. Seit 2018 ist er auch Vorsitzender des RGV Braunschweig, wodurch beide Vereine enger zusammenwachsen und gemeinsame Wanderungen unternehmen.

Wegen eines Trauerfalls im Januar 2026 und aus organisatorischen Gründen wird keine Jubiläumsfeier stattfinden. Dem Jubiläum wird bei den nächsten Wanderungen und Veranstaltungen gedacht. Im nächsten Jahr steht das 40-jährige Bestehen der Heimatstube bevor.

Christian Drescher, Vorsitzender

 
 
 

 

© 2026 Christian Drescher
Erste Version vom 07.08.2026, letzte Aktualisierung am 07.08.2026.